AS9102 Formular 3 im Erstmusterprüfbericht, mit kostenloser Excel-Vorlage.

In Formular 3 entscheidet sich, ob ein Erstmusterprüfbericht (EMPB) durchgeht: jedes Prüfmerkmal der Zeichnung, seine Anforderung und der tatsächlich gemessene Wert. Hier lesen Sie, was in jede Spalte gehört und welche Fehler dazu führen, dass Berichte zurückkommen.

Ratgeber · 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert im Oktober 2026

Wozu Formular 3 dient

AS9102 / EN 9102 teilt den Bericht einer Erstmusterprüfung (FAI) in drei Formulare auf. EN 9102 ist die europäische Ausgabe der Norm, mit demselben Inhalt. Formular 1, Part Number Accountability, identifiziert Teil, Zeichnung, Revision und Organisation. Formular 2, Product Accountability, umfasst Rohmaterialien, Sonderprozesse und Funktionsprüfungen. Formular 3, Characteristic Accountability, Verification and Compatibility Evaluation, ist der zeilenweise Nachweis, dass jedes Konstruktionsmerkmal geprüft wurde und seine Anforderung erfüllt.

Der Kerngedanke ist die Nachweisführung (Accountability). Jedes Merkmal auf der Zeichnung erhält eine eindeutige Nummer (einen Ballon), und jeder Ballon erhält eine Zeile in Formular 3. Ein Prüfer muss jeden beliebigen Ballon auf der Zeichnung herausgreifen, seine Zeile finden und dort die Anforderung sowie den objektiven Nachweis ihrer Erfüllung sehen können. Hat die Zeichnung 84 Ballons, weist Formular 3 genau 84 Merkmale nach, nicht mehr und nicht weniger.

Der Kopf: Felder 1 bis 4

Der Kopf von Formular 3 wiederholt vier Angaben aus Formular 1, damit jede Seite für sich allein verständlich ist: Part Number (Teilenummer), Part Name (Benennung), Serial Number (Seriennummer) und FAI Report Number (Berichtsnummer). Übernehmen Sie sie exakt so, wie sie in Formular 1 stehen. Eine abweichende Berichtsnummer zwischen den Formularen ist ein kleiner Fehler, der einen Prüfer fragen lässt, was sonst noch nicht stimmt.

Die Spalten im Einzelnen

Die Feldnummern unten folgen den Formularen der Rev C. Verlangt Ihr Kunde noch Rev B, sind die Spalten inhaltlich gleich; prüfen Sie die Nummerierung auf dem Formular, das er Ihnen vorgibt.

5. Merkmalsnummer (Characteristic Number)

Die Ballonnummer aus der Zeichnung. Sie muss exakt übereinstimmen, einschließlich einer Unternummerierung bei Mehrfachmerkmalen (zum Beispiel 4.1 bis 4.4 für eine Bohrungsangabe „4X“, falls Sie diese auflösen). Überspringen Sie keine Nummern und vergeben Sie keine doppelt. Entfernen Sie einen Ballon, begründen Sie das, statt eine stille Lücke zu lassen.

6. Referenzposition (Reference Location)

Wo das Merkmal auf der Zeichnung steht, meist Blatt und Planquadrat, etwa Bl. 1, C4. Das erspart dem Prüfer die Suche auf einem großformatigen Blatt. Bei Hinweisen geben Sie die Nummer des Hinweises an oder das Planquadrat, in dem er steht.

7. Merkmalskennzeichnung (Characteristic Designator)

Kennzeichnen die Zeichnung oder die Vorgaben Ihres Kunden ein Merkmal als Schlüsselmerkmal, kritisches oder Hauptmerkmal, tragen Sie diese Kennzeichnung hier ein, mit dem Symbol oder Code des Kunden. Bei gewöhnlichen Merkmalen bleibt das Feld leer. Gekennzeichnete Merkmale haben oft zusätzliche Anforderungen, etwa variable Messwerte statt i. O./n. i. O. oder laufende SPC, und verdienen deshalb einen zweiten Blick.

8. Anforderung (Requirement)

Die Anforderung so, wie sie auf der Zeichnung steht: Nennmaß und Toleranz (25.000 +0.021/-0), Grenzmaße, ein vollständiger GD&T-Toleranzrahmen mit seinen Bezügen oder der Text eines Hinweises („Alle scharfen Kanten brechen 0,2 max.“). Schreiben Sie, was die Zeichnung sagt, nicht Ihre Auslegung davon. Gilt eine Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld, geben Sie die daraus resultierende Toleranz an, damit die Zeile für sich allein bewertet werden kann.

9. Ergebnis (Results)

Das tatsächliche Ergebnis. Bei variablen Merkmalen, also allem, was Sie mit einer Zahl messen, tragen Sie den Messwert ein: 25.012, nicht „OK“ oder einen Haken. Viele Kunden weisen Berichte zurück, in denen „konform“ steht, wo eine Zahl messbar war. Bei attributiven Merkmalen, etwa Sichtprüfungen, Lehren (Gut/Ausschuss) oder „Alle Kanten entgraten“, tragen Sie das Ergebnis klar ein („konform“ oder das Lehrenergebnis). Bei einem Mehrfachmerkmal mit nur einem Ballon erfassen Sie für jedes einzelne Element ein Ergebnis.

Liegt ein Ergebnis außerhalb der Toleranz, tragen Sie trotzdem den tatsächlichen Wert ein. Passen Sie ihn nie an und lassen Sie das Feld nie leer. Die Abweichung wird in der nächsten Spalte behandelt.

10. Konstruierte oder qualifizierte Prüfvorrichtung (Designed or Qualified Tooling)

Manche Merkmale werden nicht direkt gemessen, sondern über eine Vorrichtung verifiziert, etwa eine eigene Prüfvorrichtung oder ein anderes qualifiziertes Werkzeug. Nennen Sie in diesen Fällen hier die Vorrichtung, damit die Verifizierung rückverfolgbar ist. Wurde das Merkmal direkt gemessen, bleibt das Feld leer.

11. Abweichungsnummer (Nonconformance Number)

Erfüllt das Merkmal seine Anforderung nicht, verweisen Sie auf die Nummer des Abweichungsberichts (NCR), der die Abweichung und ihre Entscheidung dokumentiert. Ein n. i. O.-Merkmal ohne NCR-Verweis ist einer der schnellsten Wege zu einem zurückgewiesenen Bericht.

Bemerkungen und optionale Felder

Nutzen Sie den übrigen Platz für alles, was ein Prüfer braucht: Prüfmethode oder Prüfmittel, einen Verweis auf das KMG-Programm oder den Hinweis, dass ein Merkmal in einem früheren Arbeitsgang verifiziert wurde. Manche Kunden legen fest, was hier stehen soll; folgen Sie dann deren weitergegebenen Anforderungen (Flow-downs).

Fehler, wegen derer Formular 3 zurückkommt

  • Fehlende Hinweise. Hinweise sind ebenfalls Merkmale. „Alle Grate entfernen“, „Kennzeichnen nach ...“ und „Oberfläche nach Spezifikation“ brauchen Ballons und Zeilen, auch wenn das Ergebnis eine attributive Prüfung ist.
  • Ballons und Zeilen passen nicht zusammen. Die Zeichnung zeigt 1 bis 62, Formular 3 springt von 40 auf 42. Gleichen Sie die Anzahl vor der Freigabe ab.
  • „OK“ statt einer Zahl. Wenn Sie gemessen haben, tragen Sie den Messwert ein.
  • Falsch übernommene Anforderung. Ein Zahlendreher in der Toleranz lässt ein gutes Teil schlecht aussehen oder, schlimmer, umgekehrt.
  • Mehrfachmerkmale mit nur einem Ergebnis. „4X Ø6.60“ braucht vier Ergebnisse, ob in einer Zeile oder in vier.
  • Keine Einheiten angegeben auf einer Zeichnung, die Zoll- und metrische Maße mischt.
  • Prüfmittel ohne gültige Kalibrierung. Das ist kein Feld in Formular 3, aber Auditoren prüfen, dass jede Messung mit einem kalibrierten Prüfmittel durchgeführt wurde.

Kostenlose Excel-Vorlage für Formular 3

Wir haben kostenlose Excel-Vorlagen für die Formulare 1, 2 und 3 veröffentlicht, aufgebaut nach der Feldnummerierung der Rev C. Formular 3 hat 60 Zeilen und einen fixierten Kopf und wird im Querformat gedruckt, mit den Spaltenüberschriften auf jeder Seite. Die Vorlagen sind auf Englisch.

Die Vorlagen sind keine offiziellen SAE-Formulare. Stellt Ihr Kunde ein eigenes Formular bereit, verwenden Sie dieses. AS9102 selbst wird von SAE International herausgegeben, und maßgeblich für die Felddefinitionen ist die Norm.

Der schnellere Weg zum ausgefüllten Formular

Am längsten dauern bei Formular 3 die ersten vier Spalten: jedes Merkmal nummerieren und jede Anforderung von der Zeichnung abtippen. Genau das übernimmt die kostenlose KI-Ballonierung. Laden Sie eine Zeichnung als PDF hoch und Sie erhalten eine ballonierte PDF und eine Formular-3-Tabelle zurück, in der Merkmalsnummern, Planquadrate und Anforderungen bereits ausgefüllt sind. Alles, bei dem die KI unsicher ist, wird zur Kontrolle markiert.

Weiterlesen: Zeichnungen ballonieren: so geht's · Vollständige oder Teil-FAI

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